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Internationaler Jugendfreiwilligendienst in Kfar Rafael - Der deutsche Kibbutz
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Internationaler Jugendfreiwilligendienst in Kfar Rafael

Ich sitze im Flieger nach Tel Aviv. Es ist 6:45 und ich bin sehr müde. Meine Gefühlslage ist ziemlich gemischt, von traurig über aufgeregt zu vorfreudig. Im Moment kann ich mich anscheinend noch nicht entscheiden, was ich von den kommenden 365 Tagen halten soll.

 

Doch wieso sitze ich überhaupt im Flieger? Warum Tel Aviv? Was liegt denn vor mir? Ich werde ein freiwilliges Jahr im Ausland, korrekt benannt „Internationaler Jugendfreiwilligendienst“ leisten, dafür reise ich nach Israel. Eigentlich alle internationalen Flüge von und nach Israel starten und landen am riesigen Ben Gurion Airport, 20km außerhalb von Tel Aviv. Von dort aus wird es für mich noch weiter in Richtung Süden gehen, bis nach Beer Scheva, eine Stadt inmitten der Negevwüste mit etwa 200 000 Einwohnern.

 

Dort gibt es etwas abgelegen die „Dorfgemeinschaft des Erzengel Rafael“, auf Hebräisch „Kfar Rafael“, dort werde ich dann ein Jahr leben und arbeiten. Ich kenne das Kfar bisher nur aus Erzählungen von ehemaligen Freiwilligen und der Website, auf der es zum Glück auch Fotos und Videos gibt. Trotzdem habe ich nur eine vage Vorstellung was mich erwartet, das ist natürlich spannend und aufregend, aber auch ein bisschen beängstigend. Was ist, wenn alles ganz anders als in meinen Vorstellungen ist? Was soll ich machen, wenn ich mich gar nicht gut einleben kann? Wird es dort andere Freiwillige geben, mit denen ich mich gut verstehe? All diese Fragen, Hoffnungen und Sorgen kreisen in meinem Kopf herum, während ich da früh allein im Flieger sitze. Natürlich nicht wirklich allein, denn der Flieger ist voll bis auf den letzten Platz, aber eben ohne Eltern oder Freunde, die mitreisen.

 

Mein letzter Flug ist auch schon ziemlich lange her, das war irgendwann als Kind mit meiner Familie nach Griechenland, also habe ich dementsprechend auch viel Respekt vorm Fliegen und kann mich nicht wirklich entspannen. Denn auch das Gepäck abgeben und die Sicherheitskontrollen waren alles andere als stressfrei. Als wir früh um 5:20 in Belin-Schönefeld ankamen, gab es eine sehr, sehr lange Schlange bei der Gepäckabgabe, so dass ich erst um 6:20 durch die Sicherheitskontrollen konnte. Zum Glück war ich nicht allein am Flughafen, denn mein Freund war so lieb und hat mich hingefahren und verabschiedet. Da alles etwas knapp war, hatten wir leider nicht so viel Zeit uns zu verabschieden.

 

Im Flieger habe ich größtenteils geschlafen und versucht, mein Schlafdefizit so auszugleichen, also gingen die vier Stunden rum wie im Flug und ich bin etwa 12:15 nach israelischer Ortszeit gelandet. Es war ziemlich warm, so um die 35°C und ich hatte vom Flug noch meinen Pulli und Schal um, da es in Flugzeugen ja bekanntlich immer recht kühl ist. Der Ben Gurion Airport ist ziemlich riesig, auf jeden Fall mussten wir nach dem Aussteigen erstmal ein gutes Stück Bus fahren. Im Flughafengebäude angekommen, musste ich zuerst zur Passkontrolle, bei der ich eine vorläufige Aufenthaltsgenehmigung bekommen habe. Dann ging es zur Gepäckabholung, wobei ich ziemlich Glück hatte, da meine Tasche sofort angefahren kam. Natürlich musste auch das WLAN des Flughafens von mir genutzt werden, vor allem, um Bescheid zu sagen, dass ich gut gelandet bin.

 

Als nächstes musste ich den Treffpunkt finden, von dem aus ich abgeholt werden sollte. Das war alles kein Problem und ich habe meinen Gastbruder schnell gefunden, dann hab ich noch fix Geld umgetauscht und dann ging es schon los Richtung Beer Scheva. Ich hatte den Luxus, mit dem Auto abgeholt zu werden, bisher war ich davon ausgegangen, dass wir noch zwei Stunden Zug fahren müssen. So sind wir aber nur eine Stunde Auto gefahren und ich habe gleich mal den israelischen Verkehr mitbekommen. Grundsätzlich ist er schon ähnlich zu dem Verkehr, den ich gewohnt bin, allerdings fährt jeder viel schneller als erlaubt. Mein Gastbruder hat gesagt: „Wenn auf dem Schild 50 steht, dann kann man ruhig 100 fahren, das macht jeder so.“ Außerdem überholt jeder von irgendwo und es gibt keine langsamere LKW-Spur oder ähnliches am rechten Autobahnrand. Weil ich immer noch so müde war, hab ich recht viel geschlafen, trotzdem aber auch etwas von der Landschaft und Umgebung beobachtet. Lustigerweise sah es ziemlich ähnlich dem aus, was ich mir so vorgestellt hatte. Nicht so viele Berge, alles relativ flach, wenig Vegetation, Palmen und Kakteen und trockene Wüste. Natürlich ist das aber nur ein sehr, sehr kleiner Teil vom Land und ich bin schon gespannt, mir noch viele weitere Teile anzuschauen.

 

In Kfar Rafael angekommen habe ich eine kurze, abgespeckte Einführung bekommen, da es so heiß war und niemand bei diesem Wetter lange draußen herumlaufen wollte. Auf mich hat das Kfar größer gewirkt, als ich gedacht hätte und ich habe die dunkle Vorahnung, das ich mich hier anfangs recht oft verlaufen werde.

In meinem Zimmer angekommen, habe ich mich erstmal schlafen gelegt um mich kurz auszuruhen, allerdings habe ich dann von 16 Uhr bis 19 Uhr geschlafen…

Ich bin gespannt, was mich die nächsten Tage und Wochen erwarten wird, ich freue mich auf die Arbeit und darauf hoffentlich viele neue, nette Menschen kennen zu lernen.

 

Ich werde versuchen Spannendes zu berichten und damit: Lehitraot – Auf Wiedersehen.

 

Eure Gesine

Gesine Adam
Gesine Adam