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Von Menschen und Miezen - Der deutsche Kibbutz
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Von Menschen und Miezen

Israelis, und wahrscheinlich ganz besonders Tel Avivis sind jetzt nicht speziell dafür bekannt, geduldig zu sein. Das zeigt sich an der Ampel – man hupt schon mal vorsichtshalber, denn es könnte ja bald grün werden, in der Warteschlange – wer die größte Chuzpa hat und am lautesten ruft, dass es nur eine kurze Frage ist, kommt als erstes dran. Oder im Gespräch – Gedankengänge zu Ende führen und dann eine Zusammenfassung liefern ist so gut wie unmöglich, weil der nahöstliche Gegenüber schon nach dem ersten Drittel das Fazit gezogen hat.

 

Was Katzen, Kinder und Hunde betrifft, sieht es hingegen ganz anders aus – wie dieses schöne Beispiel zeigt: ich saß im zutiefst heruntergekühlten Bus, weil es sich beim Fahrradfahren so anfühlt, als ob man in einem Haarfön radelt, und tippte auf meinem Telefon. Plötzlich schlenkte der Bus leicht nach rechts, hielt und der Fahrer öffnete die Türe, um besser sehen zu können, was sich auf dem Bürgersteig abspielte: Etwa zehn Menschen standen im Kreis um eine offensichtlich ohnmächtige Katze und diskutierten, was zu tun sei. Von meinem Busfenster konnte ich die Szene bestens beobachten: die Katze atmete und es war kein Blut zu sehen. Mehrere Leute suchten auf ihren Mobiltelefonen eine Notrufnummer – aber wenn man weiß, wie viele Straßenkatzen es in Tel Aviv gibt, dann kann man sich schon vorstellen, dass da jetzt nicht fünf Hilfsverbände sofort ‚hier‘ rufen.

 

Der Busfahrer stieg kurzerhand aus, quetschte sich zwischen die Leute und goss der Katze sein Wasser über den Kopf. Ganz langsam. Vom Busfenster sah es so aus, als ob die Katze sich leicht regte. Die Flasche war leer, der Busfahrer stapfte zurück in den Bus und holte aus einem anderen Fach noch eine Flasche Wasser. Die Lache um die Katze war inzwischen beträchtlich und das arme Viech sah noch erbärmlicher aus, wie es so dalag mit angeklatschtem Fell. Der Busfahrer goss beherzt weiter, immer direkt auf den Kopf. Und in der Tat: die Katze öffnete die Augen, sah sich mit schreckerweiterten Augen um, alle riefen und es war ein Tumult. Die Katze bewegt sich! Dann stand sie auf, sprang auf eine kleine Mauer und war weg.

 

Keiner im Bus meckerte über die Wartezeit, die inzwischen 15-20 Menschen umfassende Gruppe auf dem Bürgersteig freute sich gemeinsam und alle waren sich sicher, dass die Katze ‚je beseder‘ also schon in Ordnung sein werde. Erst dann fiel mir auf, dass auch von den Autos hinter uns kein Gehupe oder Geschreie kam.

 

Wie Carrie aus Sex and the City saß ich auf der restlichen Heimfahrt da und ‚couldn’t help but wonder‘ über die merkwürdige Aufteilung der Geduld in diesem Land! Und natürlich hoffe auch ich, dass die Mieze wirklich je beseder sein wird.

Jennifer Bligh
Jennifer Bligh