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Die Sache mit der Liebe - Der deutsche Kibbutz
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Die Sache mit der Liebe

Je länger man in Israel wohnt, desto mehr ist man gewöhnt, diese Herzensgeschichten aus zwei Ländern zu hören. A trifft B in Indien, Deutschland, Urlaub, Arbeit oder sonstwo und dann wird nach Wegen gesucht, diese Liebe zu leben. Von Pendeln bis Partnervisum, endlosen Skype-Stunden, dramatischen Instagram-Momenten und Glücksmomenten, in denen 4000 Kilometer Entfernung endlich zusammen schmelzen.

Doch diese Geschichte hier, die hat mich ganz besonders berührt: Ich habe mich für einen Artikel in einer großen Wochenzeitung mit fünf jungen Freiwilligen aus Deutschland getroffen. So hat auch  Svenja mir von ihrem Weg nach Israel erzählt. Die 19-jährige Kölnerin arbeitet seit einem dreiviertel Jahr in einem autistischen Zentrum nördlich von Tel Aviv.

Eigentlich ist Svenja durch einen Schüleraustausch im Jahr 2013 auf Israel und genauer gesagt auf Ori aufmerksam geworden. Dann kam der Gegenbesuch in Israel. Tja, und am letzten Tag, beim Abschied, am Flughafen, quasi in letzter Minute, da küsste er sie. Vier Monate Fernbeziehung, Besuche in den Sommer- und Herbstferien, gemeinsam den letzten Gaza-Krieg durchgemacht. Dann kam Ori zu Weihnachten zu Svenja. Im Mai überraschte er sie, als er für einen Tag nach Deutschland kam, um bei ihrem Abiball dabei zu sein. Vor neun Monaten kam Svenja nach Israel. Die beiden wohnen zusammen in seinem Zimmer, bei seinen Eltern.

Dabei war es gerade für Oris Mutter, die einen Teil ihrer polnischen Familie im Holocaust verloren hat, anfangs nicht leicht. „Sie wollte nicht mal etwas mit deutschen Produkten zu tun haben – und auf einmal sitze ich an ihrem Tisch und wir verstehen uns so gut – das ist jetzt meine Familie hier“, sagt Svenja und lächelt. Oris Vater mit jemenitischem Hintergrund fand den Zugang zu der jungen Deutschen unproblematischer zumal ‚er schon immer eine blonde Tochter haben wollte‘.

So von null auf hundert mit einer israelischen Familie zu leben, ist ‚pure Erfahrung‘, findet Svenja. Das beginnt damit, sich gegen Oris jüngere Geschwister durchsetzen zu müssen, geht über die israelische Normalität, dass Ori nach seinem Abitur ins Militär eingezogen wurde und Svenja alleine in seinem Zimmer wohnt bis hin zu den üblichen Anfängerfehlern, wie Matzekrümel beim Tischabräumen wegzuwerfen (das darf man auf gar gar gar keinen Fall, wobei diese ‚Kosher‘ Fehler fast alle mal machen und die entsetzten Blicke der Familie auf einem ruhen). Inzwischen fühlt es sich für Svenja übrigens ganz normal an, dass zum freitäglichen Schabbatessen 20 Gäste kommen.

Die süße 19-jährige Kölnerin hat mich beeindruckt. Denn sie muss sich auf gewisse Weise nicht nur in der neuen Umgebung, Arbeit und Familie zurechtfinden, sondern auch bedacht mit ihrer eigenen Familie in Köln umgehen. So haben ihre Großeltern Angst, dass sie in Israel bleiben und nicht mehr heimkommen will. Und die Liebe? Svenjas strahlende Augen sagen alles. Trotzdem werden die beiden nach diesem Sommer für eine Weile wieder auf Skype und klar begrenzte Zeitabschnitte wechseln. „Ich bin noch nicht bereit mein Leben in Deutschland komplett aufzugeben“, sagt Svenja, die gerne in Köln studieren möchte. Aber langfristig, langfristig kann sie sich vorstellen, hier zu leben. Denn „Ich habe mich in das Land verliebt und ich bin hier glücklich und jetzt denke bloß nicht, dass ich das als unschuldige 19-Jährige sage.“

Eure Jennifer

Jennifer Bligh
Jennifer Bligh