Top
Tikkun Olam - Der deutsche Kibbutz
fade
6027
post-template-default,single,single-post,postid-6027,single-format-image,eltd-core-1.0,flow-ver-1.3,,eltd-smooth-page-transitions,ajax,eltd-grid-1480,eltd-blog-installed,page-template-blog-standard,eltd-header-type2,eltd-sticky-header-on-scroll-up,eltd-default-mobile-header,eltd-sticky-up-mobile-header,eltd-dropdown-default,wpb-js-composer js-comp-ver-4.11.2.1,vc_responsive

Tikkun Olam

Jedes Mal, wenn sich die Tür von Hausnummer 183 öffnet, strömt der markante Geruch von Cannabis auf die belebte Ibn Gavirol Straße in Tel Aviv. Eingerahmt von einem glamourösen Friseurgeschäft und einem modernen Bikiniladen wirken die drei vormals weißen Stühle vor dem vergitterten Fenster ein bisschen fehl am Platz; es ist beileibe kein Café-Flair, das zum Verweilen einlädt. Vor Nummer 183 stehen fünf Männer und zwei Frauen, mit Wartenummern in der Hand. Das große grün-weiße Schild „Tikun Olam“ weist darauf hin, dass sie an der richtigen Stelle sind: Eine kleine hölzerne Rampe führt in den apothekenähnlichen Laden, in dem auf Rezept medizinisches Cannabis ausgegeben wird.
Tikkun Olam ist eine der grundlegenden jüdischen Bausteine, den man mit „die in Stücke zerbrochene Welt zu reparieren“ übersetzen kann. Wie das passieren soll, wird seit jeher ganz unterschiedlich verstanden: Gutes für andere tun, sich selber helfen und damit die Gemeinschaft positiv beeinflussen, Umweltschutz – vieles fällt in Tikkun Olam.
Für Izhak Cohen auch medizinisches Gras. Der Gründer des ersten und größten medizinischen Cannabis-Anbieters, Tikun Olam, mit einem k. Cohen hat das Konzept aus Amerika und Holland nach Israel gebracht – bereits 2005, als das Gesundheitsministerium gerade ein Pilotprojekt mit zehn Probanden testete. Die ersten vier Jahre wurde Cohens Tikun Olam von der Regierung finanziert, seit 2010 bezahlen die Patienten monatlich 370 Schekel – für die psychologische und medizinische Betreuung, nicht für das Gras. Frauen in Wechseljahren, die unter Angstzuständen leiden, bekommen niedrig dosiertes medizinisches Gras mit unter zwei Prozent THC Anteil, Krebspatienten im Endstadium konsumieren bis zu 20% THC. Die monatliche Dosis liegt zwischen zwanzig und hundert Gramm, freigegeben und empfohlen von Krankenschwestern im fünf Minuten entfernten Tikkum Olam Krankenhaus. Die Organisation hat insgesamt 4000 Patienten in Israel.
Für Cohen besteht kein Zweifel, dass medizinisches Cannabis das Leben der Patienten verbessert und damit ein perfektes Beispiel für Tikkun Olam ist. „Es geht nicht ums High, es geht darum, Angst und Schmerzen zu reduzieren“, erklärt er. Denn wenn ein Patient nach seinem Joint, seinen Tropfen, Öl oder Inhalator weniger Angst oder Schmerzen, sondern ein kleines Lächeln auf den Lippen habe, sei wieder ein kleiner Tikkun Olam-Schritt vollbracht und die Welt ein kleines bisschen besser. Ganz nach Michael Jackson, der aus Cohens Sicht die Hymne für Tikkun Olam gesungen hat: „Heal the World, Make it a better Place, For You and for Me And The Entire Human Race.“

Jennifer Bligh
Jennifer Bligh