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Deutsch-Israelische Traubenbrücke - Der deutsche Kibbutz
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Deutsch-Israelische Traubenbrücke

Renée Salzmann hält ihr Glas Weißwein zufrieden in der Hand. Die Frühlingssonne in Kvar Tikwa in der Nähe von Nazareth taucht den Tropfen in ein sanftes Licht, es ist wie ein Weichzeichner für einen magischen Moment. Langsam fällt die Anspannung von der Organisatorin des 2.Weingipfels ab – die musikalische Untermalung des lauen Frühlingstages sind Gläserklingen und Gespräche. Besser hätte es sich Salzmann für ihre neuen und alten Zwillingspaare der deutsch-israelischen Twin-Wineries nicht wünschen können.

Vor sieben Jahren verwirklichte die passionierte Weinliebhaberin und – Exporteurin eine richtig gute Idee: deutsche Weingüter mit passenden israelischen Weingütern zu verbinden und so Austausch, gegenseitiges Lernen und beiderseitigen Benefit zu ermöglichen. Salzmann ist keine, die locker lässt und so gibt es seit diesem Mai inzwischen 14 Zwillingspaare, die sie zur Traubenhochzeit geführt hat: junge Weinmacher, große Weingüter, kleine, alternative und klassische Pendants hat Salzmann gesucht und zusammengebracht. Renée sucht die Partner penibel aus: bevor sich die Weinbauern treffen, besucht Salzmann die Weingüter, gleicht ab und präsentiert wie bei einer Partnervermittlung die Ergebnisse. Mit Erfolg.

Beispielsweise hat Salzmann den charismatischen Richard Löwenstein vom Weingut Heymann-Löwenstein aus Winningen an der Mosel mit dem nicht minder charismatischen Weinmacher Yair Margalit aus Caesarea zusammengebracht. Margalit war einer der ersten, die es wagten, nicht koscheren Wein zu produzieren, der internationalen Standards nicht nur genügt, sondern für Furore sorgt. Inzwischen ist sein Boutique-Anbau in zweiter Generation – und auf einem neuem Abenteuerweg: Denn Riesling in Israel ist, gelinde gesagt, ein gewagtes Unternehmen. Margalit hat aber –zugegebermaßen nicht als einziger der Boutique Weingüter- die Herausforderung angenommen und so erlebt die komplizierte Weißweintraube mit dem billig-und-süß-Ruf derzeit ein Revival im Heiligen Land. Nicht süß, nicht billig, sondern ein ernstzunehmender Weißwein. „Riesling ist eine Reise für sich“, weiß auch Raimund Prüm vom Weingut S.A. Prüm. Er nickt anerkennend bei der Verkostung des 2007er Rieslings vom Weingut Vitkin. Der 2007er Riesling erzählt eine Geschichte, eine von Zucker und Säure, der richtigen Mischung aus Bewässerung, Sonne und Mut.

Yair Haidu, Berater und Weinexperte, schätzt die Entwicklung der israelischen Weinindustrie derzeit auf Entwicklungsstufe 6 ein. Die Anfangshürden sind geschafft, nun gehe es seiner Meinung nach um den „Thrive to Quality“ – das Streben nach Qualität. Dies ist in der Tat ein großes Thema bei den 40 kommerziellen Weingütern und rund 280 privaten Boutique Weingütern, süßen Schabat-Wein will keiner mehr produzieren. „Dafür brauchen wir deutsches Fachwissen, wir haben es nicht ausreichend“,  kommentiert Haidu. Und Riesling sei ein hervorragendes Beispiel – hier können die Israelis vom Fachwissen profitieren und gleichzeitig neue Wege beschreiten.

Parallel zu den Riesling-Vorstößen in Israel wird derzeit auch bei den deutschen Twin-Partnern ein neues Marktumfeld eröffnet: Koschere Weine aus Deutschland. Einer der ersten, die das erkannt haben ist Max von Kunow vom Weingut von Hövel, das gerade die höchstmögliche Koscher-Zertifizierung bekommen hat. „Mein Riesling ist der einzige Weißwein außerhalb Israels, der so koscher ist, dass er in Synagogen verwendet werden darf“, erzählt von Kunow stolz. Sein Twinning-Partner ist Bazelet HaGolan.

Grisha Alroi, Vorsitzender der deutsch-israelischen Handelskammer, freut sich über die neue Traubenbrücke. „Vor 50 Jahren wurden Produkte aus Deutschland bewusst als Schweizerisch, Österreichisch oder Belgisch markiert. Heute ist ‚Made in Germany‘ gutes Marketing, auch beim Wein“, so Alroi beim 2. Weingipfel. Israelische Weine in Deutschland würden ohnehin bereits jetzt einen hervorragenden Ruf genießen.

An diesem Abend geht es viel um die beiden neuen Twins: Josten & Klein ist jetzt Twin von Sphera vom Kibbutz Gat sowie Nik Weis vom St. Urbans-Hof mit seinem seinen neuen Partner  – der Flam Winery aus Eshtaol. Einträchtig stehen sie nebeneinander, schenken aus, ein, erklären und überlegen, wie sie in Zukunft zusammenarbeiten könnten. Vorgaben gibt es keine, es liegt in der Hand und im Gespür der einzelnen Weinbauern. Treffen bei den großen Fachmessen, private Skype-Verabredungen, Weinpakete, die hin- und hergeschickt werden? „Wir werden sehen“, sagt Weis. Vorerst aber hebt er sein Weinglas, um mit Golan und Gilad des Flam-Familienweinguts auf das Elixier des Gipfels mit „Le Chaim“ anzustoßen.

Eure Jennifer Bligh

 

Jennifer Bligh
Jennifer Bligh