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Diana Lerner - Die Grande Dame aus Tel Aviv - Der deutsche Kibbutz
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Diana Lerner – Die Grande Dame aus Tel Aviv

Diana Lerner sticht einem sofort ins Auge, wie sie im Café sitzt, behängt mit glitzerndem Modeschmuck, ganz und gar undezenten Ohrringen und knallrotem Lippenstift. Die Journalistin ist keine, die mit ihrer Präsenz hinter dem Berg hält: „Ich habe Chuzpa“, ruft sie und schwenkt die Hand mit der Kuchengabel, auf der ein Stück Käsekuchen balanciert, über den halben Tisch. Umliegende und direkt gegenübersitzende Gäste ducken sich weg. Aber der Kuchen klebt und Diana grinst. Mit 93 Jahren kennt sie mehr als nur das Käsekuchengeschäft.

Die in Ungarn geborene und in New York aufgewachsene Reporterin ist eine Koryphäe:  1947 ist sie nach Israel gekommen, zum ersten Mal. Es folgte ein wildes Leben aus Pendeln, Promis und Schlagzeilen zwischen den Staaten und Tel Aviv. „Ich flirtete mit beiden Ländern, bis ich mich endgültig für Israel entschied“, erinnert sie sich. 15 Tage auf dem Handelsschiff, eine schreckliche Fahrt, aber wundervolle Menschen an Bord. Das war die Überfahrt in ein neues Leben in Jerusalem. Studiert hatte Diana in New York, ein Semester an der renommierten Columbia School. „Genügend Nonsens, es reichte.“ Ihr erster Abnehmer war die jüdische Zeitung „Der Tog“ in New York. „Ich war frisch und habe immer nur über das geschrieben, was mich faszinierte“, erklärt Diana, die noch in Amerika Hebräisch lernte. Geschrieben hat sie jedoch immer nur in Englisch, auch für die israelischen Zeitungen Haaretz, Jerusalem Post, Maariv und andere. Bei Bedarf wurde ins Hebräische übersetzt.

Am liebsten schrieb sie schon als junge Frau Artikel für Frauenressorts, immer auf der elektrischen Schreibmaschine, die sie bis heute benutzt: die wichtigsten Namen aus fünf Jahrzehnten Israel rattert sie zwischen zwei Bissen und einem Schluck Milchkaffee herunter. Ihre Artikel bewegten das High Society Leben in Tel Aviv: Moshe Dayan und seine Ehefrau Ruth waren mit ihr gut befreundet, die Ehefrau von Richard Nixon, Thelma ‚Pat‘ nahm Diana unter ihre Fittiche und  sie war im Zirkel des berühmten israelischen Malers Menashe Kadishman, der mit seinen bunten Ziegen weltweit bekannt ist.

Wenn Diana anfängt, aus ihrem Journalistenleben zu erzählen, blitzen ihre Augen auf: Einmal habe sie sich verwählt und sei aus Versehen direkt bei Ben Gurion herausgekommen. Und die Reisen mit Helena Rubinstein waren der Auftakt zu einer ganzen Serie über erfolgreiche Frauen. Interessant ist, dass Diana jeden Artikel aus der ‚ich-Perspektive‘ geschrieben hat. „Mädchen, du musst für das Brennen worüber du schreibst und das geht nicht in der dritten Person“, sagt sie und betont gleich nochmal: „Du musst das lieben, was du tust, versprichst du es mir?“

Gerne würde man (also ich, um in Dianas Jargon zu bleiben) diese Geschichten online nachlesen. „Online?“, fragt Diana zurück und legt die Stirn in Falten. „Computer sind die größte Krise meines Berufslebens“, sagt die Grande Dame aus Tel Aviv seufzend. Das Internet ist eine Dimension, die sie nicht erreicht hat. Lieber spricht sie von ihrem eigenen Besteller über das Leben in Tel Aviv. Gedruckt, so wie Diana es mag. Gerade ist die zweite Auflage erschienen. Sie zieht aus ihrer Tasche ein Heft, in den Augen ihr berühmtes Zwinkern. „Sex, drugs und Rock’n’roll ist gar nichts dagegen“.

 

Eure Jennifer Bligh

Brigitta Stegherr
Brigitta Stegherr