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Miriam Frank - die Sanfte mit dem großen Herzen - Der deutsche Kibbutz
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Miriam Frank – die Sanfte mit dem großen Herzen

Wenn jemand eine große innere Ruhe ausstrahlt, dann Miriam Frank.

Ich kenne sie und ihre Familie seit etwa 20 Jahren. Als Aviva (die nette Omi auf dem Fahrrad aus dem Lebensfreude-Artikel, die bis dahin meine Hauptbezugsperson im Kibbutz Gan Shmuel war) starb, sagten Miriam und ihr leider auch viel zu früh verstorbener Mann Dan sofort: „Dann kommst ab jetzt eben immer zu uns!“ Sie nahmen mich mit offenen Armen in ihre Familie auf. Miriam, Dan und ihre 3 Kinder Gali, Siwan und Ori sowie deren Kinder sind mir über die Jahre sehr ans Herz gewachsen und zu meiner Zweitfamilie geworden.

Miriam hat als Kind den Holocaust erlebt und zum Glück überlebt. Sie kam mit der Kinder-Aliya nach Israel. Trotz dieser grausamen Erlebnisse war sie mir gegenüber immer aufgeschlossen. Dass ich Deutsche bin, spielte nie eine Rolle. Bei jedem meiner Besuche in Israel steht mir Ihr Gästezimmer zur Verfügung – leckere Verpflegung inklusive.

Wir sitzen dann bis spätabends vor dem Fernseher, lösen Quizfragen oder diskutieren über die Politik und das Leben. Nebenbei klingelt immer wieder das Telefon und einer der 9 Enkel berichtet ihr über seine neuesten Erlebnisse. So eine Oma habe ich mir immer gewünscht. Lustig, aufmerksam, interessiert und auf Zack. Zu allen Kindern und Enkeln hat sie eine enge und herzliche Beziehung. Ständiger Austausch wird hier gelebt – ob live, per Telefon oder auf  Facebook. Miriam hält ständig Kontakt – auch zu mir. Das Gästezimmer wird rege genutzt, denn einer der Enkel will immer bei Miriam übernachten.

Alle Kinder und Enkel wissen über ihre Geschichte Bescheid und verarbeiten sie u.a. in schulischen Projekten. Als Miriam kürzlich für eine Zeitung interviewt wurde, posteten alle Enkel diesen Bericht auf Facebook – sie sind zu Recht stolz auf ihre Oma.

Miriam bleibt trotz allem und auch im größten Trubel immer ruhig und bescheiden – und gibt mit vollem Herzen ihre Wärme weiter. Dan, ihr Mann war genauso. Hilfsbereit, wo immer es was zu tun gab. Ob er mich – egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit – vom Flughafen abgeholt hat, Besorgungen erledigte oder einfach nur als Gesprächspartner zur Verfügung stand – auf ihn war Verlass.

Dan war ein sehr guter Zeichner und Künstler. Seine Werke hat er penibel fotografiert – bis auf seine Skizzen aus New York und anderen Städten. Und das war meine Chance, mich für all die Jahre der Gastfreundschaft und tiefen Freundschaft zu revanchieren. Gemeinsam mit einem Freund habe ich alle vorhandenen Skizzen abfotografiert und in einem dicken Buch aufbereitet. Dieses Buch habe ich drucken lassen und in 10facher Ausfertigung nach Israel geschleppt. Miriam und jedes ihrer Kinder bekamen ein Exemplar geschenkt. Die Begeisterung und Überraschung in den Gesichtern werde ich nie vergessen. Und Miriam platzte vor Stolz auf Dan, als sie ein Buch seinem ehemaligen Lehrer überreichen konnte.

Dass mich Ori, Miriams Sohn, kurz vorher am Flughafen aus der misslichen Lage einer vergessenen Kreditkarte gerettet und mir seine Karte für den Mietwagen-Verleih zur Verfügung gestellt hat, sei nur am Rande erwähnt. Der Apfel fällt bekanntlich nicht weit vom Stamm…

 

Brigitta Stegherr
Brigitta Stegherr